Am 1. Oktober 2017 machte der Bundesarbeitskreis Pastoral auf dem Land der KLJB, der das Projekt „Tacheles!“ kreativ und beratend sowie als Gremium von MultiplikatorInnen unterstützt, eine Führung durch die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Wiesbaden. Ziel dieser Führung war es, sowohl den jüdischen Glauben besser kennen zu lernen als auch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie heutzutage jüdisches Leben in Deutschland aussieht und was „Jüdischsein“ im Alltag bedeutet.

Erst zwei Tage vorher, am 30. September, feierten die Jüdinnen und Juden dieser Gemeinde Jom Kippur, das höchste jüdische Fest, welches jährlich im September oder Oktober stattfindet. Auf Deutsch wird es auch Versöhnungsfest genannt, da es an diesem Feiertag um die Versöhnung der Jüdinnen und Juden mit Gott geht. Gleichzeitig wurde bereits das Laubhüttenfest oder auch Sukkot vorbereitet, welches einige Tage später begangen wird. Aus diesem Grund freuten sich die Mitglieder des Bundesarbeitskreises ganz besonders, dass ihnen trotz der hohen Festtage und damit einhergehenden hohen Betriebsamkeit ein Einblick in das Leben der jüdischen Gemeinde ermöglicht wurde.

Während der Führung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, viele Fragen zu stellen, den Gebetsraum auf sich wirken zu lassen, typische Utensilien eines jüdischen Gottesdienstes anzuschauen, Thorarollen zu betrachten und vieles über die Geschichte des jüdischen Lebens in und um Wiesbaden zu erfahren. Sie lernten einiges über den jüdischen Kalender, die jüdischen Feiertage, die jüdischen Namen, jüdisches Gemeindeleben, jüdische Jugendarbeit, unterschiedliche Bewegungen innerhalb des Judentums und vieles mehr.

Jedoch ist das aktuelle Leben in einer jüdischen Gemeinde in Deutschland nicht minder spannend als dessen Geschichte. Denn selbst heute gehören Polizeischutz und ein gewisser Grad an Isolation zum Alltag jüdischer Menschen. Beispielsweise sind es die jüdischen Kinder und Jugendlichen, die sich im zur Synagoge gehörenden Jugendzentrum treffen möchten, um dort ihre Zeit miteinander zu verbringen, gewohnt, an Polizisten vorbeizugehen, die die Eingänge bewachen.

Die Teilnehmenden der Führung sind sich einig, dass dies nicht so sein sollte. Im demokratischen Deutschland sollte niemand aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion Angst haben müssen, seinen Glauben offen zu leben. Die Besichtigung der Synagoge hat den Mitgliedern des Bundesarbeitskreises einen Perspektivwechsel möglich gemacht und auf eindrückliche Art und Weise gezeigt, dass Menschenfeindlichkeit, Extremismus, Antisemitismus und Diskriminierung auch heute stattfinden und deshalb Engagement für ein offenherziges, friedvolles und sicheres Zusammenleben in Respekt und Toleranz genau jetzt notwendig ist.  

Der Bundesarbeitskreis Pastoral auf dem Land bedankt sich herzlich bei der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden für den freundlichen Empfang und die spannende Besichtigung!