Prof. Dr. Schirrmacher von der Universität Bonn gab ein Seminar zum Thema „Attraktivität islamisch-extremistischer Bewegungen für Frauen“, während Prof. Dr. Kemal Bozay zu einem Seminar zum Thema „Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft“ lud. Das Thema von Prof. Dr. Schirrmacher stellte für die Teilnehmenden mit seinem inhaltlichen Schwerpunkt überwiegend Neuland dar. Die Aktualität des Themas brachte reges Interesse der Teilnehmenden mit sich, denn immer wieder berichten Medien über junge Frauen, die vom Islamismus angezogen werden. Man möchte doch eigentlich annehmen, dass diese menschenverachtenden Vorstellungen besonders von jungen Frauen abgelehnt werden würden.

Zunächst berichtete Prof. Dr. Schirrmacher über Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Forschung und der praktischen Jugendarbeit. Dabei zeigte sie exemplarisch auf, dass gesellschaftliche Diskriminierung und/oder auch persönliche Misserfolge oft Gründe für einen Wandel im Leben junger Frauen sind und in den Wunsch nach Abgrenzung zu der Mehrheitsgesellschaft resultieren können. Darüber hinaus gebe es jedoch vielfältige Erklärungsansätze. Den „einen“ Bewegungsgrund gibt es wie auch bei anderen gesellschaftlichen Phänomenen nicht.

Anschließend wurde über die Brisanz der Propaganda und der Anwerbung gesprochen: Themen dieser Propaganda sind „Ehefrauen der Kämpfer“, „Mutterrolle“ und „Unterstützung“. Bei den zum "IS" ausreisenden Frauen kommt oft das Motiv der romantischen Vorstellungen von einer Ehe mit einem "richtigen" Muslim zum Tragen. Frauen spielen teils eine aktive Rolle, jedoch sei diese keine feministische und birgt große Gefahren: Radikalisierte Rückkehrerinnen, die teilweise wichtige Positionen im IS innehatten, können bisher schwer eingeschätzt werden, insbesondere in Bezug auf ihre potentielle Gewaltbereitschaft.

Am Ende bot sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch die Gelegenheit, in der Fragerunde das Wort zu ergreifen und durch Diskussionsbeiträge mitzuwirken. Dies war auch der Fall in dem Seminar zu „Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft“ von Prof. Dr. Bozay von der Universität Köln. In seinem Seminar ging es darum, den Teilnehmenden den Verlauf des wissenschaftlichen Diskurses zum Begriff Antisemitismus und den verschiedenen Facetten von Antisemitismus historisch, politisch und gesellschaftlich aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Einwanderungsgesellschaft, welche zugleich die „Mehrheitsgesellschaft“ und „Migrationsgesellschaft“ umfasst. Es standen folgende Fragen im Fokus: Inwiefern (können) die Formen von Antisemitismus sich je nach Gruppe unterscheiden? Welche Ähnlichkeiten bzw. welche Differenzen gibt es und welcher Rhetorik, welchen Theorien und welcher Vorurteile wird sich hierbei bedient? Da die Teilnehmenden immer wieder durch das „Tacheles!“-Projekt die Möglichkeit hatten, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, gingen die Diskussionen sehr in die Tiefe und waren detailreich.

Beide Seminare haben sich großer Beliebtheit erfreut und haben die Teilnehmenden nicht nur für die Themen sensibilisiert, sondern zudem auch sprachfähig gemacht.