Beim diesjährigen „Tacheles“-Studientag der KLJB-Bundesstelle haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Spuren des Nationalsozialismus vor der eigenen Haustür begeben. Denn nur einen Katzensprung von Rhöndorf entfernt befindet sich ein mächtiges Bauwerk tief drinnen im Berg, welches bis vor kurzem unter höchster Geheimhaltung stand. Die „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ in Ahrweiler bietet Besucherinnen und Besuchern einen faszinierenden Einblick in ein Stück Deutsche Geschichte. Einst als Eisenbahntunnel gedacht, aber nie als solcher fertiggestellt, diente die knapp 18 Kilometer lange Beton-Röhre unterm Weinberg vielen unterschiedlichen Verwendungszwecken. So wurden dort zwischen den Weltkriegen ganz pragmatisch Champignons gezüchtet! Bekanntheit erlangte das Bauwerk jedoch durch seinen Umbau zum „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit“. Kurzum ein hochgeheimer Regierungsbunker, welche den Mitgliedern der Bundesregierung im Falle eines Atomkrieges Zuflucht gewähren sollte und somit das weiteregieren im Krisenfall ermöglichen sollte. Knapp 30 Jahre (Anfang 1970er bis Ende 1990er Jahre) war der Bunker voll funktionstüchtig und ständig einsatzbereit.

Was viele jedoch nicht wissen ist, dass zu NS-Zeiten in den Tunneln Zwangsarbeiter des Konzentrationslagers Rebstock, welches ein Außenlager des KZ-Buchenwalds war, schufteten. Die Gefangenen arbeiteten dort an Bodenanlagen für die sogenannte „Vergeltungswaffe 2“ - kurz V2-Rakete - der Nationalsozialisten. Eine Gedenktafel am Bunkereingang erinnert heute an dieses dunkle Kapitel seiner Geschichte. Das Konzentrationslager, in dem die Zwangsarbeiter lebten, befand sich bei Marienthal, ganz in der Nähe des Tunnels. Im Verlauf der Existenz des Lagers wurde die Unterbringung der Gefangenen jedoch in den Tunnel verlegt, so dass diese überhaupt nicht mehr ans Tageslicht kamen.

Nach diesen, im wahrsten Sinne des Wortes, dunklen Eindrücken, genossen wir den sonnigen Spaziergang entlang des Rotwein-Wanderweges, der den Bunker und das beschauliche Weinstädtchen Ahrweiler miteinander verbindet. Doch nicht nur der Berg erzählte von vergangenen Zeiten, auch in Ahrweiler kann man noch die Spuren des Dritten Reichs buchstäblich verfolgen. So erinnert ein Stolpersteinpfad an die verschleppten und verfolgten Juden von damals.

Doch auch außerhalb der Geschichtsstunde hat Ahrweiler einiges zu bieten und so erkundete jede und jeder den Ort noch auf seine eigenen Weise, bevor wir den Tag bei einem gemeinsamen interkulturellen Abendessen ausklingen ließen.